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Frauen-Power mit Zirkus-Glamour

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Karower Dachse
Telefon:0 30/94 63 35 70
Website:www.karower-dachse.de

Sport als Erfolgsrezept

Stand: Februar 2018

Frauen, die sich trauen, die gibt es offenbar wie kaum woanders im Berliner Norden. Von den insgesamt mittlerweile knapp 2 000 Aktiven vom Sportverein „Karower Dachse“ sind nämlich die allermeisten weiblich!

„Ihr Anteil liegt weit über 70 Prozent“, sind sich Kirsten Ulrich als Vorsitzende und Erik Hahn als Leiter der Geschäftsstelle einig. Die Erklärung: „Der Verein ist aus dem SV Karow heraus entstanden. Dort lag das Schwergewicht auf Fußball. Abteilungen wie Fitness oder Mutter-Kind-Turnen wurden eher belächelt.“

Musik und Sport
Die Abtrennung und Neugründung führte zu einer nunmehr ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte: Mittlerweile sind die „Karower Dachse“ größter Verein für Karow und Berlin-Buch. Einzigartig für Sportler ist, dass es bei den „Dachsen“ sogar eine Musikschule gibt. Dazu kam es ebenfalls durch Freude an Bewegung: „Eva Klatte ist Musikerin und war mit ihrem Baby bei uns in der Mutter-Kind-Gruppe. Wir kamen ins Gespräch. Dabei reifte die ungewöhnliche Idee. Allerdings ist diese Abteilung die einzige bei uns, wo zusätzliche Beiträge nötig sind, da wir alle Instrumente stellen“, erklärt Kirsten Ulrich, die zu den Gründungsmitgliedern der „Karower Dachse“ gehört.

Großes Spektrum, kleiner Preis
„Ansonsten bezahlen Erwachsene zwölf Euro im Monat. Bei Kindern, Jugendlichen und anderen Personen mit Ermäßigung sind es neun Euro. Dafür kann man die ganze Woche, außer am Samstag, alle Sportmöglichkeiten nutzen“, macht Kirsten Ulrich neugierig. Dazu gehören Turnen, Tanzen, Leichtathletik, Fitness und Ballsport. „Dafür sind insgesamt 70 Übungsleiter im Einsatz. Viele kommen aus unseren eigenen Reihen, haben hier erst Sport gemacht und sich dann weiterentwickelt.“

So ein Zirkus
Da sich „Turnen“ beispielsweise eher etwas schnöde anhört, haben die schlauen „Dachse“ diese Disziplin zu „Zirkus­welten“ erweitert: „Die Grundübungen sind die gleichen. Wenn dazu aber schöne Kostüme, Jonglieren und Musik kommen, macht es viel mehr Spaß. Für die Zuschauer ist es erheblich spannender!“, erläutert Manuela Kramer, die der Zirkusgruppe vorsteht. Eine weitere tolle Idee ist die Bewegungslandschaft. Dafür wird in der kalten Jahreszeit, also von Oktober bis April, jeden Sonntag in der Sporthalle der „Grundschule Am Hohen Feld“ ein Spielplatz eingerichtet. „Dann sind Familien mit Kindern eingeladen. Spielen, Klettern, Herumtoben, Badminton und Tischtennis sind hier angesagt“, freut sich Kirsten Ulrich über den hohen Anklang.
Seit Dezember sind die „Dachse“ dabei, Fußball neu zu erfinden: „In den Kitas gibt es viel Anklang. Für Mädchenfußball würden wir uns noch Interessenten im Alter von sechs bis neun Jahren wünschen“, so die Vereinsvorsitzende seit 2008.

Heilpraktikerin aus dem Senat
Als Heilpraktikerin weiß Kirsten Ulrich, dass manches seine Zeit braucht. „Vorher war ich beim Senat in der Ordnungsverwaltung, Abteilung Führerscheinstelle, beschäftigt“, gibt sie Einblick. Sie hat zwei Kinder. Tochter Katharina Ulrich ist mittlerweile 22 Jahre, ihr Bruder Alexander Ulrich exakt zehn Jahre älter: „Wir wohnten im Wedding. Als Alexander in die Oberschule kommen sollte, wurden wir im beschau­lichen Karow fündig“, erklärt Kirsten Ulrich den Hintergrund der Veränderung von West nach Ost.
Übrigens hatte sie schon viel früher Geschmack am Sport gefunden: Sie begann 1986 als Fitness-Trainerin, lief Marathon, leitet seit 1999 den Lauftreff in Karow. Sie unterrichtet Yoga, Line Dance, Zirkeltraining und ist für Reha-Sport mit Schwerpunkt Psychologie und Inneres qualifiziert. Kampfsport hat sie ebenfalls schon gemacht!
Zugleich ist sie als Vize-Vorsitzende beim Bezirkssportbund Pankow und in gleicher Funktion beim Landessportbund Berlin aktiv.

Gleichstellung für alle!
Neben guten Ideen geht es ihr um den sozialen Charakter von Sport. So engagiert sich der Verein im Obdachlosenheim für Frauen in Karow. Außerdem spielt „Inklusion“ eine große Rolle: „Darunter sehe ich die Gleichstellung und Einbeziehung von Behinderten ebenso wie von Frauen“, überrascht Kirsten Ulrich.
Nun hat das kleine Karow mit dafür gesorgt, dass Berlins größter Bezirk zu einer von bundesweit gerade mal zehn „Modellregionen“ für das Miteinander von allen wurde. „Wir hatten außerdem die Idee, im Refugium Flüchtlingsfrauen durch Sport zu aktivieren. Leider ist dies an den traditionellen Vorstellungen gescheitert. Nicht mal die Möglichkeit, abgeschlossen in einer Turnhalle ohne Außensicht aktiv zu werden, wurde angenommen. Im Endeffekt war es überhaupt nur Fußball, der zumindest Kinder, Jugendliche und Männer begeisterte!“