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Dokumentarfilmer verbindet Ost und West

Dokumentarfilmer
Kristof Kannegießer
Telefon:01 63/4 81 87 07

Brandenburg wie es wirklich ist

Stand: März 2017

Wo einst leckeres Essen zubereitet wurde, entstehen heute entscheidende Einblicke in das Leben der Region.

Hier, auf dem traditions­reichen Gelände der „Heil- und Pflegestätten Berlin-Buch“ ist neuerdings der Dokumentarfilmer Kristof Kannegießer zu Hause. Das leicht versteckt an der Hobrechtsfelder Chaussee liegende Areal des „Dr. Heim Krankenhauses“, wo früher Tuberkulose­patienten fernab der zentralen Krankenhaus­bereiche versorgt wurden, ist seit 2012 der Wohnstandort „Allées des Châteaux“. Die ehemaligen Krankenhaus­gebäude bieten einen reizvollen Rahmen, der dafür sorgt, dass Kulturschaffende wie Kristof Kannegießer hierher ziehen.

Von Kleinmachnow nach Buch!
Dabei stammt er ursprünglich aus der mondänen Künstlergemeinde Kleinmachnow. Dort packte ihn als 15-Jähriger das Film-Fieber: „Ich konnte in einer Videowerkstatt mit­machen. Diese war im Kino des Orts angesiedelt. Unser Schneideplatz war exakt neben den riesigen Kinoprojektoren“, ist der heute 40-Jährige immer noch von der damaligen Atmosphäre fasziniert. Mittlerweile startet Kannegießer von Berlin-Buch aus an die Brennpunkte in Berlin und Brandenburg. So ist er vielfach beim Rundfunk Berlin-Brandenburg beschäftigt. Insbesondere Beiträge fürs Heimatjournal oder für „zibb“ stammen aus seiner Kamera. Er ist bei ARD und MDR gefragt. Die Zusammenarbeit mit dem „Südwestrundfunk“, kurz „SWR“, sorgt für eine wichtige Brücke von Brandenburg in die südwest­lichen Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Denn Kannegießer greift Themen von hier für Westdeutschland auf.

Bei Schmökel im Knast
Zu den markantesten Arbeiten gehört ein Film über den Gewaltverbrecher Frank Schmökel. Der aus Straußberg stammende Polizistensohn wurde nach sechs teilweise spektakulären Ausbrüchen 2002 zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Er hatte Minderjährige vergewaltigt und bei seiner letzten Flucht im Jahr 2000 einen Rentner in einer Strausberger Gartenkolonie getötet, um mit dessen Auto seine Flucht fortzusetzen. „Ich konnte ihn im Gefängnis besuchen. Er war sehr offen, hat alles detailliert erzählt. Er wollte nichts verheimlichen, stand zu seinen Taten. Ich habe ihn als eine Person kennengelernt, die wusste, was er macht“, fasst Kannegießer zusammen.

Knacki als Wächter!
„Dabei ist mir aufgefallen, dass die Justiz damals sehr leichtfertig mit Leuten wie ihm umging. So bekam er problemlos Freigang, obwohl er vorher mehrmals genau das zur Flucht ausgenutzt hatte. Offen- bar um Personal zu sparen, schickte man ihm sogar einen Mitgefangenen als Bewacher mit“, wundert sich Kanne­gießer. „Der Prozess war ebenso auffällig. So gab es zwei psychiatrische Gutachten, die einander teilweise widersprachen. Gefertigt wurden sie von Ärzten, die gar keine Psychiater waren.“

Nowa Amerika
Der neueste Film von Kristof Kannegießer heißt „Nowa Amerika“. Der Aktionskünstler Michael Kurzwelly, der an der Viadrina lehrt, hat eine länderübergreifende Idee „ohne Grenzen“ ins Leben gerufen. Die Anhänger, meist Künstler, Journalisten und sozial engagierte Personen, fühlen sich dem imaginären Staat „Nowa Amerika“ verbunden, der sich Vielfalt und Toleranz verpflichtet sieht, und eine eigene Hymne, selbstentworfene Ausweis- dokumente sowie eine eigene Flagge hat. Die bestehenden Orte haben die „Nowa Amerikaner“ umbenannt. So wurden Słubice und Frankfurt (Oder) kurzerhand zu „Słubfurt“, der Metropole von „Nowa Amerika“, vereint. Dank Kristof Kannegießer erfährt jetzt der Westen von dieser bunten Initiative im Osten. Besonders interessant dabei ist, dass Initiator Michael Kurzwelly selbst von dort kommt, stammt er doch aus Bonn, der alten Bundeshauptstadt von Westdeutschland.

Preise und Menschen
Der Filmer aus Berlin-Buch, der auf Preise bei Festivals in Cannes, New York und Südkorea verweisen kann, verbindet nicht nur Ost- und Westdeutschland sondern sogar Afrika und Südamerika. Denn an der Stelle, an der diese beiden Kontinente vor Jahrmillionen auseinander gebrochen sind, in der Wüste Namib, hat er eine Dokumentation über eine geophysikalische Expedition gedreht. „Da ging es darum, zu untersuchen, warum das Ereignis stattfand.“ Sein Ansatz beim Dokumentarfilm: „Ich möchte Geschichten über Menschen erzählen und diese so darstellen, dass sie berühren.“ Das Leben in einem verwunschenen Paradies mit Geschichte, wie es die frühere Lungenheilanstalt ist, beflügelt sicher, hinter die Kulissen zu sehen.